Smartphones mit Dual Camera – Wie Handykameras die Welt der Fotografie erobern

Schnappschüsse machen, wann immer sich die Gelegenheit bietet – dank moderner Smartphones mit integrierter Kamera klappt das auch ohne Fotoapparat in der Tasche. Mit immer besserer Technik und Dual Cameras sollen Smartphones jetzt auch das Herz passionierter Hobbyfotografen erobern, die dabei auf ausgezeichnete Bildqualität nicht verzichten möchten.

Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen, mit dem Smartphone zu fotografieren. Am offensichtlichsten ist dabei wohl der praktische Aspekt – das Smartphone ist fast immer dabei. Es passt in jede Hosentasche und ist schnell gezückt. So kann man auch drauflosknipsen, wenn man vergessen hat, den Fotoapparat einzupacken.

Die entstandenen Bilder lassen sich sofort teilen, ohne vorher von der Kamera übertragen zu werden. Auch die Bildbearbeitung auf dem Smartphone ist denkbar einfach, entweder über bereits vorinstallierte Einstellungen und Filter oder über zusätzliche Apps, die man sich auf das Handy laden kann.

Viele Smartphones sind außerdem robuster als gängige Kompaktkameras und machen so manches Abenteuer unbeschadet mit. Das unkomplizierte Speichern der Bilder in der Cloud sorgt außerdem für eine zuverlässige Datensicherung, selbst wenn die Speicherkarte einmal voll sein sollte.

Trotz dieser Vorteile fällt es so manchem Hobbyfotografen nicht leicht, auf die bewährte Kamera zu verzichten. Schlechtere Auflösung, Schwächen bei schwierigen Lichtverhältnissen, mangelnder Zoom und geringe Tiefenschärfe halten sie oft davon ab, auf den Fotoapparat zu verzichten und nur noch mit dem Smartphone zu fotografieren. Seit einiger Zeit kommen jedoch immer mehr Smartphones auf den Markt, die mit einer sogenannten Dual Camera ausgestattet sind. Sie sollen die Qualität der Aufnahmen wesentlich verbessern und die Nachteile gegenüber einer DSLR-Kamera verringern.

Bessere Bilder mit zwei Kameras?

Bei Smartphones mit einer Dual Camera befinden sich auf der Rückseite zwei statt nur einer Linse. Dual Camera ist aber nicht gleich Dual Camera, denn die unterschiedlichen Hersteller arbeiten mit verschiedenen Technologien. Im Wesentlichen lassen sich vier Funktionsweisen unterscheiden.

Mehr Tiefenschärfe

Unter anderem werden die beiden Linsen für die Ermittlung von Tiefeninformationen genutzt. Nach demselben Prinzip wie das menschliche Auge nimmt dabei jeder Sensor die Umgebung aus einer anderen Perspektive wahr und erkennt so räumliche Tiefe. Ein Objekt im Vordergrund kann dadurch erkannt und fokussiert werden, während der Hintergrund unscharf gestellt wird. Diesen Effekt nennt man Bokeh.

Monochromsensor

Manche Smartphones setzen die zweite Kamera für Schwarz-Weiß-Aufnahmen ein. Durch den Verzicht auf einen Farbfilter entstehen mit der lichtempfindlicheren Monochromkamera auch bei suboptimalen Lichtverhältnissen schärfere Bilder. Zusätzlich zur reinen Schwarz-Weiß-Fotografie kann das Bild der Monochromkamera auch mit einem Farbfoto, das zeitgleich von der zweiten Kamera geschossen wird, verrechnet werden. Das Ergebnis sind mehr Schärfe und Kontrast sowie verringertes Bildrauschen.

Weitwinkelkamera

Einige Hersteller setzen bei der zweiten Linse auf eine Weitwinkelkamera mit kleinerer Brennweite. So lassen sich größere Bildausschnitte oder Menschengruppen problemlos mit dem Smartphone festhalten.

Telebildkamera

Im Gegensatz dazu kann in der Dual-Camera-Technologie aber auch eine Telebildkamera mit größerer Brennweite zum Einsatz kommen. Beim sogenannten optischen Zoomen wird von der Hauptkamera auf die Telebildkamera umgeschaltet. Dabei sollen Qualitätsverluste, wie sie beim digitalen Zoom auftreten können, verhindert werden. Besonders gut gelingen damit Porträtfotos, da im Porträtmodus beide Kameras aktiv sind und so eine höhere Qualität ermöglichen.

Anwendungsgebiete abseits der Hobbyfotografie

Es gibt mittlerweile auch Smartphones, die noch eine Stufe weitergehen. So besteht bei einigen Geräten die Möglichkeit, mithilfe der beiden Kameras eine 3-D-Karte der Umgebung zu erstellen. In der Folge können virtuelle Objekte in die Live-Ansicht eingefügt werden. Das ist vor allem für diverse Spiele interessant, könnte aber beispielsweise auch bei der Küchenplanung oder Wohnungseinrichtung hilfreich sein.

Auch im Berufsleben bringt die Dual-Camera-Technologie Vorteile. So wurde speziell für die Bedürfnisse von Feuerwehrmännern, Heizungsinstallateuren und Industriemechanikern ein Gerät entwickelt, dessen zweite Kamera über einen Wärmebildsensor verfügt.

Gute Zukunftsaussichten

Obwohl die Smartphones mit Dual Camera, die heute auf dem Markt sind, technisch bereits ausgereift sind, gibt es natürlich hinsichtlich der Bildqualität immer noch Luft nach oben. Um eine professionelle Kamera gänzlich ersetzen zu können, müssen sowohl Soft- als auch Hardware noch weiter verbessert werden.

Ein vielversprechender Ansatz ist dabei der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Sie soll die Rechen- und Erkennungsleistung von Smartphone-Kameras steigern und so dank Machine Learning und intelligenter Motiverkennung zum perfekten Foto führen. Auch das optische Zoomen soll in Zukunft noch weiter verbessert werden. Aus dem derzeit gängigen zweifachen Zoom soll mithilfe von Linsen, die wie bei einem Periskop im rechten Winkel angeordnet sind, ein fünffacher werden.