Unfallvermeidung bei Kindern

Unfallvermeidung bei Kindern

Jährlich verletzen sich etwa 230.000 Kinder in Österreich. 90% der Unfälle ereignen sich zu Hause, in der Freizeit und beim Sport, jeweils 5% im Verkehr und in der Schule. Leider sind nicht alle Unfälle vermeidbar, einige Gefahren lassen sich jedoch reduzieren.

Unfallverhütung zu Hause

Dass man etwa Steckdosen sichert, sobald ein Kind zu krabbeln anfängt, ist mittlerweile selbstverständlich. Doch es gibt auch Gefahrenquellen, die vielen Eltern gar nicht bewusst sind. „Stockbetten beispielsweise sind eine oft unterschätzte Gefahr“, sagt Univ. Prof. Dr. Mehdi Mousavi, Leiter der Abteilung für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie im Krankenhaus Donauspital Wien.

„Die Schwere der Verletzungen steigt mit der Höhe, aus der ein Kind stürzt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Stürze aus einer Höhe von eineinhalb Metern und mehr ungleich schwerer verlaufen.“

Prim. Univ. Prof. Dr. Alexander Rokitansky, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie im Donauspital/SMZ Ost hat gemeinsam mit seinem Team die Plattform KidsDoc ins Leben gerufen, die Eltern bei Fragen zu Unfällen und Erster Hilfe rund um die Uhr kontaktieren können. Die Seite listet häufige Unfallursachen auf:

Vorsicht bei:

•    Heißwasserluftbefeuchtern
•    Heißwasserinhalieren aus dem Topf (besser: Vernebler verwenden)
•    Bügelmaschinen
•    Münzen, kleinen Gegenständen  – (besonders gefährlich: Knopfbatterien!) Gefahr durch Verschlucken
•    Nüssen, Erdnüssen - Gefahr durch Verschlucken
•    Ätzenden Reinigungsmitteln (kein Umfüllen von ätzenden Flüssigkeiten in normale Flaschen! Kindersicheren Schraubverschluss verwenden!
•    Nagellackentferner
•    Öl- bzw. Duftlampen
•    Puderdosen (Lebensgefahr durch Einatmen!)
•    Gefäße mit heißen Flüssigkeiten, wie z.B. Kaffee (nicht unbeaufsichtigt stehen lassen! Tragen Sie niemals heiße Sachen, wenn Kinder unter Ihnen spielen; trinken Sie niemals heiße Flüssigkeiten, wenn ein Kind auf Ihrem Schoss sitzt)

Ersticken und Verbrühen - Besondere Gefahren

„Eine sehr häufige und unterschätzte Unfallursache sind Nüsse auf dem Couchtisch, die von Kindern verschluckt werden und zum Ersticken führen können“, warnt Rokitansky.

„Die schweren Verletzungen beim Verschlucken von Knopfbatterien entstehen, weil die Batterie am Beginn der Luftröhre stecken bleiben kann und dann bis zu ihrer Entfernung ätzende Säure absondert“, erklärt der Kinderchirurg, der auch Experte für Brandverletzungen ist.

Bei der Gefahr durch heiße Flüssigkeiten ist zu beachten, dass Kinder bereits durch für Erwachsene nicht allzu heiße Flüssigkeiten schwere Verbrühungen davontragen können. So bewirken zwei Sekunden Temperatureinwirkung von 65,5°C heißem Wasser eine drittgradige Schädigung der empfindlichen Kinderhaut.

„Der Inhalt einer Kaffeetasse kann bis zu 30% der Körperoberfläche eines Kleinkindes verbrühen“, so Rokitansky.

Folgende Sicherheitsartikel schützen zu Hause:


•    Steckdosenabdeckung
•    Eckenschutz (Tische, Kästen, etc.)
•    Türgitter (Gefahrenräume wie Küche, Badezimmer absperren)
•    Stiegen-/Treppenschutzgitter
•    Herdschutzgitter (immer auf den hinteren Platten kochen!)
•    Herdtürstopp
•    Schubladenstopp
•    Türstopper
•    Fenstersicherheitsriegel
•    Rauchmelder
•    Stockbettengitter
•    Weicher Bodenbelag (speziell um den Wickeltisch)

Gefahren bei Sport und Spiel

Bei der Wahl des Spielplatzes sollten Eltern den Zustand der Spielgeräte sowie die Weichheit des Bodenbelags prüfen; etwa, ob genug Rindenmulch unter den Schaukeln vorhanden ist oder die Spielgeräte richtig angeschraubt sind.

Rutschen sollten durch höhere Seitenwände vor dem Herunterfallen schützen. „Was den Sport betrifft, so beobachten wir heutzutage bei Stürzen auch aus geringerer Höhe schwerere Verletzungen als früher“, erzählt Mousavi.

„Möglicherweise liegt dies daran, dass die Kinder heutzutage viel zum Stillsitzen gezwungen sind, weniger im Freien herumtollen dürfen und dadurch insgesamt etwas ungeschickter sind.“

Beim Sport schützt jedenfalls die richtige Schutzkleidung (Helm, Ellbogen, Knie- und Handschutz, Handschuhe beim Eislaufen, Sonnenschutz). „Beim Reiten verringert die Wahl von Ponys statt großen Pferden bereits die Sturzhöhe“, so der Unfallchirurg.

Gefahren beim Schwimmen

Wassersport birgt spezielle Gefahren. „Wenn es unglücklich fällt und mit dem Gesicht nach unten liegen bleibt, kann ein Kind bereits in 20cm tiefem Wasser ertrinken“, warnt der Arzt. Kinder in der Nähe von Swimmingpools müssen daher immer beaufsichtigt werden.

„Kontrollieren Sie auch, ob Ihr Kind nach erfolgtem Schwimmkurs wirklich schwimmen kann“, appelliert Rokitansky. Schwimmhilfen wie Schwimmflügel oder -reifen sind zwar eine zusätzliche Hilfe, aber kein ausreichender Schutz! Sie sollten nur unter Aufsicht verwendet werden.

Denn: „Gerät ein Kind in Panik und paddelt es wie wild um sich, kann es trotz Schwimmhilfen aufs offene Wasser hinausgetrieben werden und ertrinken“, so die Experten.

Gefahren im Straßenverkehr

Viele Gefahren birgt nach wie vor der Straßenverkehr. Die meisten Kinder bis acht Jahre verunglücken als Fußgänger, Jugendliche häufig mit dem Verkehrsmittel, das sie zum ersten Mal nutzen dürfen.

Kinder sind besonders gefährdet, da sie ein eingeschränktes Blickfeld und unsichere Bewegungsabläufe haben, spontan und impulsiv reagieren, länger zur Informationsverarbeitung brauchen, Geschwindigkeit und Entfernungen nur schlecht abschätzen können.

Üben Sie daher mit Ihrem Kind möglichst oft das richtige Verhalten im Straßenverkehr und nehmen Sie als Verkehrsteilnehmer besonders Rücksicht auf die Kleinen.

Sicherheitsmaßnahmen im Straßenverkehr

• Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind mit heller und reflektierender Kleidung im Straßenverkehr gut sichtbar ist.
• Lassen Sie Kinder unter zehn Jahren nicht alleine mit dem Rad auf der Straße fahren! Helm und ein verkehrssicheres Fahrrad (funktionierende Bremsen und Beleuchtung, Reflektoren und Klingel) sind Pflicht!
• Im Auto müssen Kinder, die kleiner als 150 cm und jünger als 12 Jahre sind, mit geeigneten Rückhaltesystemen (typengenehmigter Kindersitz, höhenverstellbarer Dreipunktgurt) befördert werden.
•  Für jede beförderte Person muss ein eigener Sitzplatz vorhanden sein, also auch für jedes Kind. Die Anzahl der Maximalzahl der zu befördernden Personen steht im Zulassungsschein.

Weiterführende Links:

Österreichische Gesellschaft für Kinder und Jugendheilkunde
KidsDoc
Sicher aufwachsen
Reisen mit Kindern
Kindersicherheit - Sicheres Wohnen